Rossinis „Petite Messe solennelle“ in St. Ingbert

Chormusik auf hohem Niveau

Mit der Aufführung von Gioachino Rossinis Petite Messe solennelle präsentierte der LeibnizChor St. Ingbert am 14. Juni 2026 ein Werk, das gleichermaßen musikalische Präzision, Ausdruckskraft und Ausdauer verlangt. Der Konzertabend erwies sich als eindrucksvoller Beleg für das hohe Leistungsniveau des Chores und seiner Mitwirkenden. Bereits in den ersten Takten wurde deutlich, dass die rund 55 Sängerinnen und Sänger bestens vorbereitet waren. Der Chor überzeugte durch einen homogenen Gesamtklang, sichere Intonation und eine bemerkenswerte Transparenz in den vielschichtigen Chorsätzen Rossinis. Besonders beeindruckend war die Ausgewogenheit zwischen den einzelnen Stimmgruppen: Die Klangfülle des großen Ensembles ging nie auf Kosten der Durchhörbarkeit. Vielmehr gelang es dem Chor, die feinen dynamischen Abstufungen und die charakteristischen Wechsel zwischen kontemplativer Innigkeit und opernhafter Dramatik überzeugend herauszuarbeiten.

Die Solisten: Angela Lösch, Alt, Lisa Bebelaar, Sopran, Patrick Schnur, Tenor, Sebastian Gros, Bariton, erfüllten ihre anspruchsvollen solistischen Parts, die Rossini für sie vorgesehen hat, mit großer Souveränität. Ebenso wirkten die Ensemblepassagen ausgewogen und musikalisch geschlossen. Entscheidenden Anteil am Konzerterlebnisses hatten die Instrumentalisten: Eri Takeguchi am Harmonium, die sensibel durch die schwierigsten Passagen führte, und Thomas Betz am Klavier. Seine Interpretation ging weit über die Rolle einer Instrumentalbegleitung hinaus. Es gelang ihm, die Differenziertheit der einzelnen musikalischen Elemente des Werks aufzuzeigen. Von der ersten bis zur letzten Note erwies er sich als musikalischer Motor für die Gesamtgestaltung. Besonders hervorzuheben ist die konzentrierte Gestaltung der großen Chorabschnitte des Gloria und Credo, in denen rhythmische Präzision und klangliche Geschlossenheit eindrucksvoll zur Geltung kamen. Gleichzeitig gelang es den Ausführenden, den lyrischen und meditativen Momenten ausreichend Raum zu geben. Dadurch entstand jene besondere Spannung, die Rossinis Alterswerk auszeichnet und es zu einem der faszinierendsten geistlichen Werke des 19. Jahrhunderts macht.

Einen wesentlichen Anteil an diesem Erfolg hat Chorleiter Timo Uhrig. Seit nunmehr vierzehn Jahren formt und entwickelt er den LeibnizChor kontinuierlich weiter und hat ihn sowohl qualitativ als auch quantitativ auf ein bemerkenswertes Niveau geführt. Sein unaufgeregtes, ruhiges und bisweilen heiter wirkendes Dirigat vermittelte den Mitwirkenden jederzeit Sicherheit und Orientierung. Ohne große Gesten, aber mit klarer musikalischer Vorstellung führte er Chor, Solisten und Instrumentalisten souverän durch die vielgestaltige Partitur. Die Aufführung wirkte dadurch durchweg geschlossen und überzeugend; die Balance zwischen technischer Präzision und emotionalem Ausdruck blieb stets gewahrt. Der langanhaltende Beifall des Publikums bestätigte den Erfolg dieses Konzertabends. Mit ihrer Interpretation der Petite Messe solennelle setzte der LeibnizChor St. Ingbert ein eindrucksvolles Zeichen seines musikalischen Könnens und bescherte den Zuhörern ein ebenso anspruchsvolles wie berührendes Konzerterlebnis.